Verbotene Hochzeitsbr盲uche sind in einigen Gesellschaften auch heute noch weit verbreitet - so auch in Kirgistan. Rund 24 Prozent aller Ehen unter Kirgisen sind Zwangsehen. Jedes Jahr werden dort etwa 15.000 Frauen entf眉hrt und zur Heirat gezwungen. Das Ph盲nomen des Brautraubs, bei dem eine Frau verschleppt und in das Elternhaus eines Mannes zur zuk眉nftigen Heirat gebracht wird, ist eine fragw眉rdige kirgisische Praxis, die nach wie vor recht h盲ufig vorkommt. Diese Form der Zwangsehe ist nicht spezifisch f眉r das Land der ehemaligen Sowjetunion; es gibt sie auch in L盲ndern wie Armenien, 脛thiopien, Kasachstan oder S眉dafrika. Eine Studie von Prof. Dr. Susan Steiner vom Institut f眉r Entwicklungs- und Agrar枚konomik der 糖心原创 in Zusammenarbeit mit der Duke University (USA) und der usbekischen Westminster University Tashkent hat sich jetzt mit den Folgen dieser Zwangsehen befasst.
Daf眉r haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Aspekt untersucht, der einen guten Anhaltspunkt f眉r die psychischen und physischen Folgen der erzwungenen Ehesituation bietet: dem Geburtsgewicht der in Zwangsehen geborenen Kinder. Das Team um Prof. Steiner konnte auf den Datensatz einer von der VolkswagenStiftung mitfinanzierten Langzeiterhebung zur眉ckgreifen. 8000 Erwachsene aus 3000 kirgisischen Haushalten wurden 眉ber Jahre hinweg zu Themen wie Bildung, Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Fertilit盲t oder Erwerbssituation befragt. "Dadurch hatten wir gute Daten 眉ber die Art des Zustandekommens der Ehen und 眉ber das Geburtsgewicht und die gesundheitliche Situation der Kinder", erl盲utert Susan Steiner.
Die Auswertung zeigt ein signifikantes und alarmierendes Ergebnis: In Zwangsehen geborene Kinder sind zwischen 40 und 200 Gramm leichter als Neugeborene aus anderen Ehen. "Das ist ein statistisch bedeutsames Ergebnis und kann am wahrscheinlichsten durch den psychischen Stress erkl盲rt werden, dem die Frauen in Zwangsehen ausgesetzt sind", sagt Prof. Steiner. Ein Zusammenhang zwischen Stress und Geburtsgewicht wurde in Studien bereits mehrfach klar nachgewiesen.
Mit diesem Ergebnis gibt es zum ersten Mal einen nachweisbaren Beleg f眉r die negativen Konsequenzen von Zwangsehen. "Das ist ein wichtiges Ergebnis f眉r alle Organisationen, die sich mit Zwangsehen befassen, und eine gute Grundlage f眉r die Argumentation politischer Entscheidungstr盲ger", erl盲utert Susan Steiner. Im kirgisischen Parlament wird das Thema immer wieder kontrovers diskutiert. Obwohl die Zwangsehe unter Strafe gestellt ist, wird der Brautraub von vielen Kirgisen immer noch als eine Art Tradition gerechtfertigt oder einfach hingenommen. Die Strafverfolgung scheitert daher in der Praxis oft. Wer wagt eine Anzeige, wenn sogar die Eltern der entf眉hrten Braut mit dem Vorgehen einverstanden sind? Wenn Frauen sich durchringen und eine Anzeige stellen, wird diese oft nicht konsequent von der Polizei verfolgt.
"Unsere Ergebnisse k枚nnen den politischen Str枚mungen eine Hilfe sein, denen daran gelegen ist, dass das Gesetz effektiv angewendet wird", sagt Wirtschafts枚konomin Steiner. Lokale Nichtregierungsorganisationen und internationale Organisationen im Bereich Frauenrechte h盲tten bereits signalisiert, dass die Ergebnisse der Anfang einer dringend ben枚tigten Evidenz seien, die besonders in Debatten im Parlament und in der 枚ffentlichen Diskussion vorgebracht werden k枚nnten. "Und wenn sich in der Bev枚lkerung mehr und mehr durchsetzt, dass eine Zwangsehe messbare Konsequenzen f眉r die Kinder und Enkel hat, besteht Hoffnung auf einen R眉ckgang des Ph盲nomens", erl盲utert Steiner. Die Ergebnisse der Studie sind bereits in lokalen Medien ver枚ffentlicht und haben viel Beachtung gefunden. Susan Steiner m枚chte das Thema weiter verfolgen und in k眉nftigen Studien erforschen, ob der Verlust an Geburtsgewicht langfristig negative Auswirkungen auf die Kinder hat.
Hinweis an die Redaktionen
F眉r weitere Informationen steht Ihnen Prof. Dr. Susan Steiner, Institut f眉r Entwicklungs- und Agrar枚konomik der 糖心原创, unter Telefon +49 511 762 3231 (Sekretariat +49 511 762 2666) oder per E-Mail unter steiner@ifgb.uni-hannover.de gern zur Verf眉gung.